Grazer Kunstverein

 

15.03. – 01.05.2010 | Johanna Billing. moving in, five films

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Johanna Billing
moving in, five films

 

Eröffnung / Opening
15. März um 19.00 Uhr / March 15, 7 pm

Ausstellungsdauer / Duration of the exhibition
15. März bis 01. Mai 2010 / March 15 until May 1, 2010


Seit 2006 präsentiert der Grazer Kunstverein im Rahmen seines thematischen Videoarchives „Es ist schwer das Reale zu berühren” vier Videoproduktionen der Künstlerin Johanna Billing (*1973, lebt in Stockholm). Die jetzige Ausstellung im Grazer Kunstverein versteht sich als eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit. Dabei handelt es sich um die erste Einzelausstellung Johanna Billings in Österreich.

Arbeiten / works

I’m Lost Without Your Rhythm, 2009, 13'29 min
You Don't Love Me Yet, 2002-2010, Documentation Material on DVD from ongoing live tour
Where She is At, 2001, 7'35 min
Magical World, 2005, 6'12 min
Project For a Revolution, 2000, 3'14 min


I’m Lost Without Your Rhythm, 2009, 13'29 min
Viele der Filme Billings entstehen in Zusammenarbeit mit Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Sie werfen Fragen auf, die Begriffe wie Engagement und Handlungsfähigkeit thematisieren. Die Erfahrung der Stärke kollektiven Handelns und die Suche nach individuellem Ausdruck bilden dabei wiederkehrende Pole, zwischen denen sich die Position der gezeigten Akteure nie ganz genau orten lässt.
So auch in Billings neuester Arbeit ”I’m Lost Without Your Rythm”. Der Film kreist rund um die Geschehnisse eines choreographierten Live-Events mit rumänischen Amateurtänzern und Schauspielstudenten in Iaşi (einer in der Nähe zur moldawischen Grenze gelegenen rumänischen Stadt). Das von der schwedischen Choreographin Anna Vnuk geleitete Ereignis läuft nicht im klassischen Sinne auf eine abschließende Aufführung hinaus sondern besteht aus einer mehrtägigen fortlaufenden Live-Improvisation zwischen Choreographin, Tänzern und lokalen Musikern, bei der das Publikum kommen und gehen kann wie und wann es will. Dabei verfließt die Grenze zwischen inszenierten und natürlichen Momenten. Das Video vernetzt unterschiedliche Szenen der Aufführung. Für Billing war die Choreographie eine Gelegenheit, gemeinsam mit den teilnehmenden Akteuren und dem Publikum zu untersuchen, was zeitgenössischer Tanz heute sein und bedeuten kann; insbesondere in Bezug auf ein Land und eine Ökonomie in Bewegung, wie es Rumänien ist. Konsequenterweise wird ein allgemeineres, vom Tanz allein losgelöstes Konzept von Bewegung zum eigentlichen Inhalt der Arbeit – eine soziale Choreographie, die sich mehr auf das alltägliche Leben beziehen könnte als es der erste Blick suggeriert.

(English): I’m Lost Without Your Rhythm is Billing’s new film. It is based around the recording of a live choreography event involving amateur Romanian dancers and acting students in Iasi during the Periferic 8 Biennial of Contemporary Art in Romania in October 2008. Led by Swedish choreographer Anna Vnuk with whom Billing last worked over a decade ago, there is no final performance as such. The resulting video links several days’ activity into a continuous process of live improvisation between choreographer, dancers and local musicians, watched by an audience who were free to come and go as they pleased. For Billing, the project was an attempt to explore, along with the participating individuals and the audience, what contemporary dance
can be, or means today, especially in relation to a developing country and economy such as Romania. Consequently the work becomes about movement in general, choreography closer to everyday life than might first be imagined.


You Don't Love Me Yet, 2002-2010, 07'03 min
Das Projekt “You Don’t Love Me Yet” besteht zum einen aus dem gleichnamigen Film von 2003, der eine Gruppe von Musikern im Atlantis Studio in Stockholm dabei zeigt, wie sie eine Cover-Version des 1984 vom texanischen Sänger und Songschreiber Roky Erickson geschriebenen Liebesliedes „You Don’t Love Me Yet“ aufnehmen. Zum anderen besteht das Projekt aus einer nun seit ca. 8 Jahren fortlaufenden Livekonzert-Tour, in der lokale Musikgruppen in jeweils verschiedenen Städten von Billing dazu eingeladen wurden, diesen Song selbst neu zu interpretieren. Das Projekt nutzt das Genre der Coverversion als eine Art Katalysator, mittels dessen die Möglichkeit der Behauptung von künstlerischer Originalität und Einzigartigkeit auf zugleich persönlicher wie kollektiver Ebene immer wieder neu erprobt werden kann. Gezeigt werden verschiedene Dokumentationsmaterialien dieser Tour sowie der Film. Die Besucher der Ausstellung sind eingeladen, die Mini-DVD Player selber zu benutzen.

(English): The “You Don’t Love Me Yet” project, consists of both a film (2003) that depicts a group of musicians recording a cover version of the 1984 ambiguous love song “You Don’t Love Me Yet”, by the Texan singer-songwriter Roky Erickson, together in Atlantis studio in Stockholm, and an ongoing live tour (since 8 years) in which local musicians in different cities have been invited to cover the same song. In this project, the cover version is used as a catalyst to explore ways of maintaining originality and uniqueness of personal as well as artistic integrity both on an individual and collective level.


Where She Is At, 2001, 07'35 min

In dem Film vermischen sich öffentliche mit privaten und psychologischen Ebenen. Dabei wird das anfangs dokumentarische Format subtil verwandelt. Dies ist am besten in dem zögerlichen, inneren Kampf einer jungen Frau kurz vor dem Sprung von einem Schwimmbad-Turm zu beobachten. Der Sprungturm selber steht als moderne Architekur für das Schicksal einer öffentlichen Bade- und Erholungseinrichtung, die kurz vor der Schließung steht. Der Film wurde im Ingierstrand-Bad in Oslo aufgenommen, das Ole Lind Schistad und Eyvind Mostue 1934 gestalteten. Das Bad verkörpert eines der wenigen gebliebenen Beispiele funktionalistischer Architektur in Oslo. Im deutlichen Widerspruch zu den Gesundheits- und Körperkulturidealen der dreißiger Jahre begann 2001 der Abriss der Einrichtung, für deren Erhaltungskosten der Staat nicht mehr aufkommen wollte oder konnte. Zugleich geht es in dem Video so auch um den gesellschaftlichen Umgang mit den Überbleibseln ihrer eigenen Aufbruchs- und Erneuerungsversuche.

(English): In this documentary-transcending film public and private spheres collide. This is perhaps described by a woman’s hesitating internal struggle on a diving tower in relation to the fate of a recreational facility threatened with closure. The film was shot at Ingierstrand Bath, designed by Ole Lind Schistad and Eyvind Mostue in 1934, and one of the few remaining pieces of functionalist architecture in Oslo. In a sharp contrast to the ideals of the thirties about health and well being, the centre was in 2001 under demolition order since the state was not willing or unable to pay for its upkeep.


Magical World, 2005, 06'12 min
Das Video wurde im Sommer 2005 aufgenommen. Die Kamera wandert zwischen einem Jugendclub und dem verschlissenen Umfeld Dubravas – einem Außenbezirk Zagrebs – hin und her. Das Filmmaterial zeigt Kinder beim Einüben des Liedes „Magical World“ von Rotary Connection. Das von Sidney Barnes geschriebene Stück kann als eine Hymne auf eine ungewisse Zukunft interpretiert werden und spielt in Billings Gebrauch auf die Vorstellung von einem Land im Umbruch an. In künstlichem, erst frisch erlernten Englisch singt ein kroatischer Junge die etwas verrätselten und trotzigen ersten Zeilen des Liedes: „Warum willst Du mich aus so einem schönen Traum reißen? ...Kannst Du nicht sehen, dass ich schlafe? …Wir leben in einer märchenhaften Welt“. Rotary Connection war eine der ersten ethnisch gemischten Musikgruppen in den USA, die für ihre Mischung aus psychedelischer Pop-Rock und Soul-Musik bekannt wurden.

(English): Shot during a summers day in 2005, the camera moves between a free after-school centre and its worn surroundings in Dubrava, a suburb of Zabreb. Never ending footage of children rehearsing the 1968 Rotary Connection song “Magical World” (written by Sidney Barnes) acts as an anthem for an uncertain future and presents a glimpse of a country in transformation. In forced and newly learned English, a young Croatian boy sings the enigmatic and defiant first lines: “Why do you want to wake me from such a beautiful dream?...Can’t you see that I am sleeping?... We live in a Magical World...”. Rotary Connection was one of the first ethnically mixed bands in the US, playing a mix between psychedelic pop-rock and soul music.


Project For a Revolution, 2000, 03'14
Als Ausgangspunkt des Videos dient die Szene aus Antonionis berühmten Film ”Zabriskie Point” (1970), in der ein emotional aufgeheiztes Treffen studentischer Aktivisten gezeigt wird. Billings Adaption spielt dagegen im Schweden des Jahres 2000 und zeigt eine Gruppe junger Leute, die darauf zu warten scheint, dass irgendetwas passiert. Das Verhalten der Jugendlichen ist dabei völlig passiv und geht jeder Form von Kommunikation oder Emotion aus dem Weg. Die revolutionäre Spannung vor dem Hintergrund der Ereignisse von 1968, die Antonionis Filmszene einfing, hat hier eher dem Gefühl von Langeweile den Raum überlassen. Die Tatsache, dass es sich bei dem Video um einen Loop handelt, verstärkt nochmals den Eindruck von Untätigkeit. Die Stille und das Gefühl endloser Wiederholung werden nur durch das Geräusch der Kopiermaschine unterbrochen, die allerdings keine politischen Flyer sondern leere Blätter ausspuckt. Mit dem Video fragt Billing nach den Möglichkeiten gesellschaftlichen Engagements, Protests und Revolte in unserer gegenwärtigen Kultur. Können sich junge Leute so etwas wie revolutionäres Handeln heute überhaupt vorstellen? Unter welchen Umständen konnte radikaler gesellschaftlicher Wandel in der Vergangenheit stattfinden?

(English): The video is based on a scene in Antonioni's film Zabriskie Point (1970) that features a heated meeting of student activists. Billing's adaptation is set in contemporary Sweden, and shows a group of young people who appear to be just waiting for something to happen - completely passively, avoiding any kind of communication or emotion. The revolutionary tension still evident in Antonioni's work in the wake of the events of 1968 has abated, giving way to a feeling of boredom. The fact that the video is a loop reinforces the perception of this inactivity. The stillness and feeling of endlessness are interrupted only by the noise of the copier, though what the copier churns out is not leaflets but blank pages.  In Project for a Revolution, Johanna Billing queries the possibilities for social commitment, protest and rebellion in our present-day culture. Are revolutions by present-day young people at all conceivable? In what circumstances did radical social change take place in the past

 

Kurator / curator
Søren Grammel

 

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Credits
I’m Lost Without Your Rhythm:  A film by Johanna Billing, Choreography by: Anna Vnuk, Cinematography by: Manne Lindwall, Alexandru Grigoras, Johanna Billing, Sound by: Paul Gradinariu, Still photographer: Lavinia German, Project coordinator: Alexandru Bounegru, Assistants at Casa Stuenţilor: Adrian Poroh and Elvys Sandu Prisecaru. Featuring: Bodnǎrescu Cristina, Denisa Pirţac, Florin Caracala, Sandra Prigoreanu, Laurenţiu Vasilache, Corneliu Laur, Bianca Buhǎ, Adrian Iacov, Oana Teodorescu, Monica Gavriluţǎ, Giana Mathaboya, Lucian Sîrbu. Live Musicians: Drums and percussion: Theodor Popescu, Piano: Paul Pintile, Marimba and percussion: Cristina Lupu. Additional soundtrack recording: “My heart” (originally written by Mariam Wallentin and performed by Wildbirds & Peacedrums 2008) performed by Per Lager (drums, vocals) Andreas Söderström (marimba, steeldrums, vocals), Pia Påltoft (vocals) Pernilla Axerup (vocals) Johanna Billing (vocals) Karl-Jonas Winqvist (vocals) produced by Johanna Billing, recorded and mixed by Tuomas Hakava, Up and Running studio, Stockholm. Mastered by Joachim Ekermann. Produced in collaboration with Camden Arts Centre, London; Arnolfini, Bristol and Modern Art Oxford as part of the 3 Series: 3 artists, 3 spaces, 3 years, and in the frame of Periferic 8 - Art as Gift Biennial for Contemporary Art Iasi, Romania, organized by Vector Association with support from IASPIS, Sweden. Thanks to the videodepartment at University of Art "George Enescu” for providing equipment, Theodor Popescu and the the National Opera in Iasi, Anticariatul Grumǎzescu, Adrian Căliman at Casa Stuenţilor, Alexandru and Mircea Ignat at Qusar Dance, Alexandru Bounegru, Matei Bejenaru, Dora Hegyi, Henry Moore Selder, Julian and Karl-Jonas Winqvist.  You Don't Love Me Yet:  Cinematography by Manne Lindwall. Original song by Roky Erickson (published by R.Erickson 1984). Musical arrangements by Ida Lundén. Recorded and mixed by Pontus Olsson in Atlantis Studio, Stockholm June 2003. Produced by Index – The Swedish Contemporary Art Foundation in collaboration with Nifca, Helsinki. Co-producers and collaborative partners for the film and tour are Eskilstuna's Konstmuseum/ Balsta Musikslott, Norrköpings Konstmuseum/ Allmän Kultur, Norrköping, Konstkonsulenten in Jämtlandslän/ Mångkulturkonsulenten and UKM, Konstkonsulenten in Västra Götalandsregionen/ Vara Kommun, Gävle Konstcentrum/ Musikhuset and Kultur och Fritid and Ystad Konstmuseum.  Where She is At:  Cinematography by Henry Moore Selder. Produced by Moderna Museet Projekt and Oslo Kunsthall.  Magical World:  Cinematography by Manne Lindwall. Musical Arrangements by Petra Ježutković. Original Song by Sidney Barnes 1968 (Chevis Music publishing Corp, BMI). Featuring , Petra Ježutković, Sonja Borić, Tadej Horwatic-Cajko, Mara Matic-Soldan, Ena & Sara Anicic, Lenka, Martin & Josip Mestrić, Klara & Lucija Petrac, Ivana Leksic, Nikolina Penic, Zvonomir Retkovać, Mane Galoviæ and Tomislav Djurinec. Co-produced by WHW/ Rooseum. Production Assistant: Sonja Borić.  Project For a Revolution:  Cinematography by Johan Phillips & Henry Moore Selder, Sound by Mario Adamsson

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Zu Johanna Billing siehe auch die Publikation des Grazer Kunstvereins:
ES IST SCHWER DAS REALE ZU BERÜHREN

Es ist schwer das Reale zu berühren ist ein Videoarchiv, das Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern involviert, für die der Begriff des Dokumentarischen einen wichtigen Impuls liefert. Das Archiv steht den Besuchern des Grazer Kunst vereins in Form einer Präsenzvideothek dauerhaft zur Verfügung. Es umfaßt zur Zeit etwa 125 Videos von 72 Künstlerinnen und Künstlern. Mit: Aljafari, Bartana, Biemann, Billing, Blandy, Brolin, vom Bruch, Cantor, Cherinet, Dabernig, Damerji, Danesch, Denzer, Diener, Eichelmann, Einhorn, Eriksson, Ersen, Fischer, Fowler, Geene, Gerbaulet, Herzog, Holert, Holzfeind, Hopf, Johansson, Kaaserer, kanalB, Klub Zwei, Kostova, Könnemann, Krauß, Krenn, Laanemets, Leko, Lillebaek Christensen, Linder, McCollum, Mörnvik, Moshiri, Nashashibi, Nellemann, Nordahl, Novickas, Ofteringer, von Osten, Ponger, PTTL, Raidpere, Raat, Reiß, Ressler, Rink, Rosenberger, Rust, Rych, Sabanovic, Sadr Haghighian, Sala, El Sani, Shahbazi, Steyerl, Spacecampaign, Sukmit, Vaindorf, Villesen, Waddington, Wermers, Zabat, Zbanic, Zolghadr.

208 Seiten, Hardcover, Fadenheftung, Leseband, ca. 130 Abb. in Farbe. Zahlreiche Texte entweder in deutscher oder englischer Sprache
Text: Hito Steyerl, Søren Grammel, Maria Lind u.a. (de/en)
Verlag: Revolver- Archiv für aktuelle Kunst, Frankfurt am Main, 2007
Design: Christoph Steinegger/Interkool Hamburg
ISBN: 978-3-86588-338-4
Auflage: 800 Stück, Preis 21,-- Euro (exkl. Versandkosten)
Redaktion: Søren Grammel & Maria Lind
Herausgeber: Grazer Kunstverein

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